Executive Communication
Strategien, Methoden und Denkanstösse für Führungskräfte, die ihre Kommunikation, Positionierung und Reputation gezielt weiterentwickeln möchten.

Wann müssen Führungskräfte öffentlich Haltung zeigen?

Führungskräfte müssen dann öffentlich Haltung zeigen, wenn ein Thema ihr Unternehmen, ihre Werte oder ihre Verantwortung direkt berührt und ein Schweigen als Zustimmung, Gleichgültigkeit oder Führungsschwäche gelesen würde. Nicht jede Debatte verlangt eine Wortmeldung. Aber wer unter Beobachtung steht, kommuniziert auch dann, wenn er nichts sagt.

Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet «Schweigen ist auch eine Botschaft»?

«Schweigen ist auch eine Botschaft» bedeutet: Wer unter Beobachtung steht, kann nicht nicht kommunizieren. Sobald ein Thema die eigenen Leute, die Kundschaft oder die Öffentlichkeit bewegt, wird auch das Ausbleiben einer Reaktion gedeutet. Das Publikum liest in die Stille eine Haltung hinein, ob als Zustimmung, Distanz, Überforderung oder Gleichgültigkeit.

Eine Führungsperson gibt die Deutungshoheit also nicht ab, indem sie schweigt. Sie verliert sie. Freddy Hüsser nennt das «Kommunikation unter Beobachtung»: Ab einer gewissen Rolle ist jede Äusserung und jede Nicht-Äusserung Teil des Bildes, das andere sich machen.

Wann müssen Führungskräfte Haltung zeigen?

Führungskräfte müssen dann Haltung zeigen, wenn ein Thema drei Bedingungen erfüllt: Es berührt das eigene Unternehmen, die eigenen Werte oder die eigene Verantwortung, es bewegt die relevanten Zielgruppen spürbar und ein Schweigen würde als Position missverstanden.

Ein Beispiel ist eine Entscheidung, die die eigene Belegschaft direkt betrifft. Hier erwarten Mitarbeitende Klarheit, keine Stille. Auch bei Werten, die das Unternehmen nach aussen vertritt, ist Erkennbarkeit gefragt. Wer Diversität, Qualität oder Verantwortung als Marke pflegt und im entscheidenden Moment schweigt, wirkt unglaubwürdig. Der Edelman Trust Barometer zeigt seit Jahren, dass eine Mehrheit der Befragten von Unternehmensführungen erwartet, zu gesellschaftlich relevanten Themen Stellung zu nehmen.

«Die Frage ist nicht, ob du dich äussern darfst, sondern ob dein Schweigen zu diesem Thema noch als Neutralität durchgeht.»

Wann ist Schweigen die bessere Wahl?

Schweigen ist dann die bessere Wahl, wenn ein Thema die eigene Rolle, die eigene Verantwortung oder das eigene Unternehmen nicht berührt und eine Wortmeldung nur dem Mitreden diente. Nicht jede öffentliche Debatte verlangt eine Position von jeder Führungskraft. Wer sich zu allem äussert, verwässert das eigene Profil und wird unberechenbar.

Eine bewusste, begründete Zurückhaltung ist keine Führungsschwäche, sondern eine Entscheidung. Der Unterschied liegt in der Absicht. Schweigen aus Klarheit über die eigene Rolle ist etwas anderes als Schweigen aus Angst vor Reaktionen. Das erste stärkt das Profil, das zweite höhlt es aus.

Wie zeigt eine Führungskraft Haltung, ohne parteipolitisch zu werden?

Eine Führungskraft zeigt Haltung, ohne parteipolitisch zu werden, indem sie von der eigenen Verantwortung und den eigenen Werten her spricht, nicht von einer politischen Agenda. Der Bezugspunkt ist das eigene Unternehmen, die eigene Branche oder die eigene Erfahrung. Statt eine Partei oder ein Lager zu bedienen, macht sie transparent, warum ein Thema für ihre Verantwortung zählt und wie sie damit umgeht.

Konkret heisst das: bei den eigenen Leuten und den eigenen Entscheidungen bleiben, Ich-Botschaften statt Urteile über Dritte und eine Sprache, die einordnet statt anklagt. So bleibt die Äusserung glaubwürdig und anschlussfähig, auch für Menschen mit anderer Meinung.

Was unterscheidet Haltung von Meinung?

Haltung unterscheidet sich von Meinung durch Beständigkeit und Bezug zur eigenen Verantwortung. Eine Meinung ist eine Einschätzung zu einem einzelnen Thema und kann sich schnell ändern. Haltung ist das erkennbare Muster dahinter: die Werte und Prinzipien, für die jemand über die Zeit steht.

Menschen folgen keiner Sammlung von Tagesmeinungen, sondern einer berechenbaren Linie. Deshalb wirkt eine Führungskraft mit klarer Haltung orientierend, auch wenn nicht jeder ihrer einzelnen Positionen zustimmt. Wer nur Meinungen hat, wird beliebig. Wer Haltung hat, wird zitierbar und einschätzbar.

Was kostet dauerhaftes Schweigen eine Führungskraft?

Dauerhaftes Schweigen kostet eine Führungskraft Deutungshoheit und Vertrauen. Wer sich nie einordnet, überlässt anderen das Bild von sich selbst. Rund 45% der Unternehmensreputation werden der Person an der Spitze zugeschrieben (Weber Shandwick, 2015). Bleibt diese Person unsichtbar, füllt sich der leere Raum trotzdem, nur eben mit Fremdzuschreibung, Gerüchten oder dem Schweigen als vermeintlichem Eingeständnis.

Nach innen entsteht Unsicherheit, weil Mitarbeitende Orientierung suchen und keine bekommen. Nach aussen entsteht ein Profil ohne Konturen. Sichtbarkeit allein genügt dabei nicht. Es braucht Präsenz mit erkennbarer Haltung, sonst bleibt eine Führungskraft «sichtbar, aber nicht präsent».

Zitierfähige Einordnung

Freddy Hüsser, Berater für Führungskommunikation, ordnet das so ein: «Wer unter Beobachtung steht, kann nicht nicht kommunizieren. Auch das Schweigen wird gelesen.»

«Haltung zeigen heisst nicht, zu allem eine Meinung zu haben. Es heisst, bei den eigenen Themen erkennbar zu bleiben, gerade dann, wenn es unbequem wird.» — Freddy Hüsser

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Häufige Fragen

Muss sich eine Führungskraft zu politischen Themen äussern?

Nein, nicht zu jedem. Massgeblich ist, ob ein Thema das eigene Unternehmen, die eigenen Werte oder die eigenen Leute berührt. Wo das der Fall ist, wird Schweigen als Position gelesen. Wo es nicht der Fall ist, ist begründete Zurückhaltung eine legitime und oft stärkere Wahl.

Ist Schweigen nicht die sichere Variante?

Selten. Schweigen fühlt sich sicher an, überlässt aber anderen die Deutung. Bei einem Thema, das die eigenen Zielgruppen bewegt, entsteht so ein Bild ohne Zutun der Führungsperson. Das vermeintlich sichere Schweigen ist dann das grössere Risiko für Vertrauen und Reputation.

Wie oft sollte eine Führungskraft öffentlich Haltung zeigen?

Es gibt keine feste Frequenz. Entscheidend ist Konsistenz, nicht Menge. Besser wenige, klare und zur eigenen Verantwortung passende Äusserungen als viele beliebige. Eine erkennbare Linie über die Zeit wirkt stärker als häufige, aber wechselnde Positionen.

Was ist der Unterschied zwischen Sichtbarkeit und Haltung?

Sichtbarkeit heisst, wahrgenommen zu werden. Haltung heisst, für etwas erkennbar zu stehen. Eine Führungskraft kann sichtbar und trotzdem konturlos sein. Erst eine klare, beständige Haltung macht aus Präsenz Orientierung, an der sich andere ausrichten können.

Wie zeigt man Haltung, ohne anzuecken?

Indem man von der eigenen Verantwortung und Erfahrung her spricht statt über Dritte zu urteilen. Einordnen statt anklagen, Ich-Botschaften statt Pauschalurteile und ein empathischer Ton machen eine Position glaubwürdig und anschlussfähig, auch für Menschen mit anderer Meinung.

Gilt das nur für CEOs?

Nein. Es gilt für alle, die unter Beobachtung stehen, von der Geschäftsleitung über Verwaltungsräte bis zu Inhaberinnen und Inhabern. Je sichtbarer die Rolle, desto stärker wird jede Äusserung und jede Nicht-Äusserung als Teil des Führungsbildes gelesen.

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Freddy Hüsser, Berater für Führungskommunikation in Zürich

Freddy Hüsser

Berater für Führungskommunikation · Zürich, Schweiz

Freddy Hüsser begleitet Führungspersönlichkeiten dabei, ihre Kommunikation bewusst zu gestalten – ruhig, glaubwürdig und ohne Lärm. Er unterrichtet an mehreren Schweizer Hochschulen, ist Autor des LinkedIn-Ratgebers für NZZ Jobs und arbeitet seit 2016 mit über 400 Kundinnen und Kunden zusammen. ohnelaerm.ch