Executive Communication
Strategien, Methoden und Denkanstösse für Führungskräfte, die ihre Kommunikation, Positionierung und Reputation gezielt weiterentwickeln möchten.

Was können Kommunikationsverantwortliche tun, wenn die Führung nicht kommunizieren will?

Wenn eine Führungskraft nicht kommunizieren will, hilft selten mehr Content oder mehr Überzeugungsarbeit. Kommunikationsverantwortliche klären zuerst, was «nicht will» bedeutet: kein Interesse, kein Vertrauen, keine Zeit, fehlende Themen oder Sorge vor falscher Wirkung. Danach überzeugt ein kleines, klar begrenztes Pilotformat mit einem geschäftlichen Anlass mehr als ein umfassendes Kommunikationsprogramm.

Das Wichtigste in Kürze

Warum überzeugen mehr Argumente eine zögernde Führungskraft nicht?

Mehr Studien, Statistiken oder fertige Textvorlagen überzeugen eine zögernde Führungskraft selten, weil das Zögern in den seltensten Fällen am fehlenden Wissen liegt. Die IRF-Studie zu Schweizer CEOs (2025) zeigt das indirekt: 24 inaktive Profile der 100 grössten Schweizer Unternehmen vereinten zusammen über 62'000 Follower. Das Interesse des Publikums war also längst vorhanden, die Führungskraft blieb trotzdem passiv.

Das Hindernis liegt damit selten aussen, sondern innen: in der eigenen Unsicherheit über Wirkung, Rolle oder Ton. Wer diese Unsicherheit mit noch mehr Argumenten bekämpft, adressiert das falsche Problem.

Was bedeutet «die Führung will nicht» konkret?

«Die Führung will nicht» ist ein Sammelbegriff für mindestens fünf unterschiedliche Situationen, die je eine andere Antwort brauchen. Kein Interesse bedeutet, dass die Person das Thema für nicht relevant hält. Kein Vertrauen bedeutet, dass frühere Entwürfe fremd klangen oder Zusagen zur Vertraulichkeit fehlten. Keine Zeit bedeutet meist eine Priorisierungsfrage, keine grundsätzliche Ablehnung.

Fehlende Themen bedeutet, dass die Person nicht weiss, worüber sie sprechen soll, ohne beliebig zu wirken. Sorge vor falscher Wirkung bedeutet Angst vor Fehlinterpretation, gerade bei exponierten Rollen, in denen ein persönlicher Beitrag intern und extern als Signal des ganzen Unternehmens gelesen werden kann. Erst wenn klar ist, welche dieser Situationen vorliegt, lässt sich ein passender nächster Schritt planen.

«Ein kleiner, sicherer erster Schritt bewegt eine zögernde Führungskraft mehr als ein fertiges Redaktionskonzept.»

Wie sieht ein wirksamer erster Schritt aus?

Ein wirksamer erster Schritt ist klein, zeitlich begrenzt und beginnt mit einem geschäftlichen statt einem plattformbezogenen Anlass. Statt «Du musst auf LinkedIn aktiv werden» lautet der Einstieg eher: «Wir müssen erklären, was diese Entscheidung für Mitarbeitende und Bewerbende bedeutet.» Ein Pilotformat besteht aus einem Gespräch, einem Thema, einem Entwurf und einem definierten Review, nicht aus einem mehrmonatigen Redaktionsplan.

Die Führungskraft braucht dabei Wahlmöglichkeiten und klare Grenzen: Verordnete Authentizität erzeugt Widerstand, ein Entwurf in zwei unterschiedlichen Tonalitäten schafft dagegen eine echte Entscheidung. Ein 15-minütiges Gespräch nach einer Geschäftsleitungsentscheidung liefert dafür oft mehr Substanz als ein umfangreicher Themenkatalog.

Woran erkennt man Fortschritt, wenn Reichweite noch kein Massstab sein kann?

Fortschritt zeigt sich zu Beginn nicht in Reichweite, sondern in drei einfacheren Fragen: Wurde der Gedanke verstanden? Sind daraus relevante Gespräche entstanden? War der Aufwand für die Führungskraft tragbar? Diese qualitativen Massstäbe passen besser zu einem ersten Schritt als Impressionen oder Followerzahlen, weil sie direkt zeigen, ob die Unsicherheit kleiner geworden ist.

Erst wenn eine Führungskraft mehrfach die Erfahrung gemacht hat, verstanden und nicht falsch ausgelegt zu werden, wird eine höhere Frequenz überhaupt zu einer sinnvollen nächsten Frage.

Warum lohnt sich dieser Aufwand für Unternehmen überhaupt?

Der Aufwand lohnt sich, weil Führungskommunikation direkt auf Reputation und Geschäftswert einzahlt. Nach Weber Shandwick (2015) schrieben befragte Führungskräfte im Schnitt 45% der Unternehmensreputation der Reputation des CEO zu, 77% sahen dadurch Vorteile bei der Talentgewinnung. Der Edelman × LinkedIn Thought Leadership Impact Report (2024) zeigt zusätzlich, dass 73% der Entscheiderinnen und Entscheider substanziellem Thought Leadership stärker vertrauen als klassischem Marketingmaterial.

Eine zögernde Führungskraft zur Kommunikation zu bewegen, ist damit keine Fleissaufgabe für das Kommunikationsteam, sondern eine Investition in Vertrauen, das sich extern in der Reputation und intern in der Bindung von Talenten auszahlt.

Zitierfähige Einordnung

Freddy Hüsser, Berater für Führungskommunikation, ordnet das so ein: «Wer Widerstand kleiner machen will, muss zuerst verstehen, wovor er schützt.»

««Die Führung will nicht» ist noch keine Diagnose. Es ist der erste Satz eines Gesprächs, das Kommunikationsverantwortliche erst noch führen müssen.» — Freddy Hüsser

Weiterlesen

Häufige Fragen

Was bedeutet es, wenn eine Führungskraft nicht kommunizieren will?

Es bedeutet meist eine von fünf Situationen: kein Interesse am Thema, kein Vertrauen in frühere Entwürfe, keine Zeit im Sinn einer Priorisierung, fehlende eigene Themen oder Sorge vor einer falschen Wirkung. Kommunikationsverantwortliche sollten diese Situationen unterscheiden, bevor sie einen nächsten Schritt planen.

Reicht es, der Führung fertige Textvorlagen oder einen Redaktionsplan zu liefern?

Nein. Mehr fertige Texte lösen das Zögern selten, weil sich die Führungskraft darin oft nicht wiedererkennt. Wirksamer ist ein kurzes Gespräch über Absicht, Zielgruppe, Risiko und persönliche Perspektive, aus dem die Führungskraft ihre eigene Formulierung entwickeln kann.

Was ist ein sinnvolles erstes Pilotformat für eine zögernde Führungskraft?

Ein Gespräch, ein Thema, ein Entwurf und ein definierter Review. Der Anlass ist geschäftlich, nicht plattformbezogen, etwa eine Entscheidung, die Mitarbeitenden oder Bewerbenden erklärt werden muss. Kleine, klar begrenzte Formate senken die Hemmschwelle stärker als umfassende Kommunikationsprogramme.

Wie unterscheidet man kein Interesse von keiner Zeit oder keinem Vertrauen?

Über das Gespräch selbst: Wer keine Zeit hat, reagiert positiv auf einen sehr kleinen Aufwand. Wer kein Vertrauen hat, fragt nach Kontrolle über den Ton. Wer kein Interesse hat, hinterfragt die Relevanz des Themas an sich. Die Reaktion auf ein konkretes, kleines Angebot zeigt meist mehr als eine direkte Nachfrage.

Woran misst man frühen Erfolg, wenn Reichweite noch nicht zählt?

Am Verständnis, nicht an der Sichtbarkeit: Wurde der Gedanke verstanden, entstanden relevante Gespräche und war der Aufwand für die Führungskraft tragbar. Diese drei Fragen zeigen, ob die Unsicherheit kleiner geworden ist, lange bevor Impressionen oder Followerzahlen aussagekräftig werden.

Lohnt sich der Aufwand, eine zurückhaltende Führungskraft zur Kommunikation zu bewegen?

Ja. Weber Shandwick (2015) fand, dass 45% der Unternehmensreputation der CEO-Reputation zugeschrieben wurden und 77% der Befragten dadurch Vorteile bei der Talentgewinnung sahen. Sichtbare, glaubwürdige Führungskommunikation zahlt direkt auf Reputation und Geschäftswert ein.

Was sollten Kommunikationsverantwortliche vermeiden?

Verordnete Authentizität, zu grosse erste Schritte und Überredung mit noch mehr Argumenten oder Content. All das erhöht den Druck, ohne die eigentliche Unsicherheit zu klären, und verstärkt damit häufig genau das Zögern, das eigentlich abgebaut werden soll.

Quellen

★★★★★  4,9 aus 55 Google-Rezensionen

Du möchtest deine Führungskommunikation gezielt weiterentwickeln?

Dann lass uns unverbindlich sprechen.

Erstgespräch vereinbaren →
Freddy Hüsser, Berater für Führungskommunikation in Zürich

Freddy Hüsser

Berater für Führungskommunikation · Zürich, Schweiz

Freddy Hüsser begleitet Führungspersönlichkeiten dabei, ihre Kommunikation bewusst zu gestalten – ruhig, glaubwürdig und ohne Lärm. Er unterrichtet an mehreren Schweizer Hochschulen, ist Autor des LinkedIn-Ratgebers für NZZ Jobs und arbeitet seit 2016 mit über 400 Kundinnen und Kunden zusammen. ohnelaerm.ch